Wie wird man eigentlich Züchter?

Wie wird man eigentlich Züchter? Diese Frage wurde uns schon oft gestellt, daher möchten wir an dieser Stelle den Weg vom kleinen Welpen zur Zuchthündin beschreiben und was außerdem erforderlich ist, um Züchter in einem VDH-Zuchtverein zu werden.

 

Den Anfang macht natürlich der Kauf eines Welpen. Die sinnvollste Methode wäre, sich lange vor dem Kauf intensiv mit der Rasse, Krankheiten und Problemen, verschiedenen Typen und Linien auseinanderzusetzen, einen erfahrenen Züchter aufzusuchen, ihm zu schildern, dass man ebenfalls züchten möchte und sich von diesem Züchter aus einer guten Verpaarung eine geeignete Hündin zu kaufen. Dies ist jedoch nur selten der Fall. 

Weitaus häufiger ist, dass man sich einen Welpen von einem Züchter kauft und sich so in den Hund verliebt, dass der Wunsch entsteht, selbst Nachwuchs von dieser tollen Hündin zu bekommen. Dies birgt natürlich die Gefahr, eine zur Zucht nur bedingt geeignete Hündin zu haben.

Die ideale Zuchthündin stammt aus einer gesunden, fruchtbaren Linie, die nicht zu Problemen in der Trächtigkeit und bei der Geburt (z.B. Gelbkörper- oder Wehenschwäche) neigt. Sie stammt aus einem durchschnittlich großen, homogenen Wurf, hat ein sicheres, offenes Wesen, der Züchter ist erfahren, kennt viele Vorfahren persönlich und weiß, welche Vorzüge und Schwächen diese haben. Der Züchter sucht aus dem Wurf eine Hündin mit vielversprechenden Anlagen aus und informiert den Käufer darüber, was die Stärken, aber auch die Schwächen dieses Welpen sind. 

Für das ungeschulte Auge sehen die Welpen fast alle gleich aus, aber auch beim Welpen kann man schon einige anatomische Stärken und Schwächen erkennen. Bei weitem nicht jeder standardgemäß gezeichnete Welpe hat auch eine Anatomie, die zur Zucht geeignet ist. Letzendlich spielt bei Ausstellungen und in der Zucht die Zeichnung nur eine untergeordnete Rolle, die Anatomie ist um einiges bedeutender. Ein Hund, der nicht perfekt gezeichnet ist, wird dadurch niemals gesundheitliche Einschränkungen haben. Ein Hund mit einer mangelhaften Anatomie wird früher oder später Probleme bekommen. Daher sollte bei der Wahl der zukünftigen Zuchthündin nicht die möglichst perfekte Zeichnung das Hauptauswahlkriterium sein, sondern ein harmonischer, gesunder Körperbau. Neben einem sicheren Wesen, der korrekten Zeichnung und einer guten Anatomie darf der Welpe natürlich keine zuchtausschließenden Fehler wie einen Vorbiss oder eine Knickrute haben. Wie sich das Gebiss im Laufe der Zeit verändert, weiß man beim Welpen nie. Hier sind 6-7 Monate Geduld gefragt, bis der Welpe alle Milchzähne verloren und sich das bleibende Gebiss entwickelt hat.

Ob nun die Idee zum züchten von Anfang an vorhanden war oder sich erst in Laufe der Zeit entwickelt, der nächste Schritt zum Züchter werden, ist die optimale Sozialisierung des Welpen. Ein zukünftiger Zuchthund muss ein sicheres Wesen haben, sich bei Ausstellungen und der Körung überall anfassen lassen, darf keine Angst vor fremden Menschen haben und sollte in der Lage sein, bei Ausstellungen sein schönes Gangwerk zu zeigen. Einen Welpen kann man bereits spielerisch auf all das vorbereiten, für das Zähne zeigen oder am ganzen Körper abtasten findet man sicherlich immer Freunde oder jemanden aus der Familie. 

Ab dem Alter von vier Monaten darf ein Hund an Ausstellungen teilnehmen, relevant für die Körung sind die Teilnahmen ab der Jugendklasse, also ab dem Alter von 9 Monaten. Je nach Zuchtverein ist eine gewisse Anzahl an Ausstellungen mit bestimmten Formwertnoten vorgeschrieben. Die Voraussetzungen sind von Rasse zu Rasse unterschiedlich, der Weg vom Welpen zum Zuchthund wird an dieser Stelle nur für die Zucht des Berner Sennenhundes im DCBS erklärt. Für einen Schäferhund oder einen Havaneser schreiben die jeweiligen Vereine andere Bedingungen vor.

Ein Hund muss mindestens drei Ausstellungen ab der Jugendklasse besucht haben, um zur Körung zugelassen zu werden. Neben dem Besuch von Ausstellungen ist es sinnvoll, sich in das Thema Zucht einzuarbeiten, Kontakt zu Züchtern zu suchen, Bücher zu lesen und Fortbildungsveranstaltungen zu besuchen und versuchen, so viel zu lernen, wie man nur irgendwie kann. Als Züchter trägt man eine sehr große Verantwortung, umso wichtiger ist es, sich ein umfangreiches Fachwissen anzueignen und niemals aufzuhören, sich fortzubilden. 

Für den Besuch von Ausstellungen ist eine Mitgliedschaft im Zuchtverein noch nicht notwendig, spätestens zur Körung muss man jedoch Mitglied sein. Hat man eine Hündin aus einem der beiden VDH-Vereine (DCBS oder SSV) oder einer ausländischen FCI-Zucht, kann man in beiden Vereinen Mitglied werden und dort züchten. Trägt die Ahnentafel der Hündin nicht das FCI-Logo, ist eine Zucht im VDH nicht möglich. Vor der Entscheidung für einen Verein, sollte man sich mit den Voraussetzungen vertraut machen, die nötig sind, um dort zu züchten. Diese unterscheiden sich in den beiden VDH-Vereinen geringfügig. 

Hat die Hündin das Alter von mindestens 12 Monaten erreicht, kann sie HD/ED/OCD geröntgt und die Bilder von einem Gutachter ausgewertet werden. Für das Röntgen gibt es eine exakte Anleitung, wie der Hund gelagert werden muss und welche Aufnahmen nötig sind. Daher sollte ein Tierarzt gewählt werden, der Erfahrung mit dem Röntgen hat. Nicht jeder Tierarzt kann die nötigen Aufnahmen anfertigen. Das Ergebnis des Gutachters erhält man nach ca. 3-4 Wochen per Post. Bei einem schlechten Röntgenergebnis ist der Traum vom Züchterdasein vorbei, bevor er angefangen hat. Hunde, die ein schlechteres Ergebnis als ED 1 oder HD C (Hündinnen) bzw. HD B (Rüden)  oder einen OCD-Befund haben, sind von der Zucht ausgeschlossen. Mit dem Röntgen und den Ausstellungen hat man die größten Hürden auch schon geschafft. Zusätzlich zum Röntgen macht es Sinn, den Antagene Pretest auf das Histiozytäre Sarkom durchführen zu lassen und auch der Test auf Degenerative Myelopathie sollte heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein.

Ist man inzwischen Mitglied in einem Zuchtverein geworden und die Hündin hat den nötigen Altersstrukturwert und das Alter von mindestens 18 Monaten erreicht, kann sie zur Körung angemeldet werden. Dabei wird sie eingehend untersucht, das Wesen wird beurteilt und es wird ein Körbericht erstellt, der eine detaillierte Aufzeichnung aller Stärken und Schwächen der Hündin gibt, sowie teilweise auch Empfehlungen und Einschränkungen, was die Wahl des Rüden betrifft.

Nach dem Bestehen der Körung kann der Zwingername beim Verein beantragt werden. Hierfür wird man vom Zuchtwart des Vereins besucht. Dieser schaut sich alles genau an und überprüft, ob man die Vorschriften des Vereins erfüllt oder in einigen Punkten nachgebessert werden muss. Für die Welpen muss beispielsweise ein ausreichend großer gesicherter Auslauf im Freien vorgewiesen werden, ein Raum für Mutterhündin und Welpen, eine der Größe der Rasse entsprechende Wurfkiste sowie eine Rückzugsmöglichkeit für die Mutterhündin. Die Hunde sollten einen sauberen und gepflegten Eindruck machen. Zudem muss vorgewiesen werden, dass man über das nötige Wissen verfügt, Fachbücher zuhause hat und auch eine ständige Betreuung und Aufzucht der Welpen gewährleisten kann.

Die Bestätigung des Zwingernamens und das Warten auf den Erhalt der Zwingerschutzurkunde dauern einige Monate. Sind ansonsten alle anderen Voraussetzungen erfüllt, beginnt das große Abenteuer Zucht, man darf seine Hündin decken lassen, noch bevor die Bestätigung des Zwingernamens eingetroffen ist. In dem Fall kann es etwas länger dauern, bis die Welpen ihre Ahnentafel erhalten. Für die ersten Würfe muss der Deckrüde vom Zuchtleiter genehmigt werden, es empfiehlt sich auf jeden Fall, den Rüden zusammen mit dem Züchter der Hündin oder dem Zuchtwart auszuwählen, da die über eine größere Erfahrung verfügen als der Neuzüchter.

Viele haben sehr romantische Vorstellungen vom Thema Zucht: Man sitzt den ganzen Tag in der Wurfkiste, kuschelt und spielt mit den Welpen und hat auch noch ein schönes Nebeneinkommen. Natürlich macht die Arbeit mit den Welpen viel Spaß, aber Zucht bedeutet unendlich viel Arbeit, viele schlaflose Nächte, nicht immer läuft alles so, wie man sich das vorgestellt hat. Die Hündin bleibt mehrfach leer, man gibt zig Tausend Euro für Tierarzt und Deckrüden umsonst aus, sie benötigt einen Kaiserschnitt, es sterben Welpen bei der Geburt, man muss sich mit Käufern vor Gericht herumschlagen, andere Züchter reden schlecht über die eigene Zucht, Hunde aus der Zucht erkranken oder sterben viel zu früh. Die Geburt beginnt natürlich genau an dem Tag, an dem die Schwester heiratet oder der Mann Geburtstag hat, die Aufzucht der Welpen ist so kräfteraubend, dass man seine Freunde über Wochen nicht sieht. 

Hier muss man sich unbedingt im Voraus fragen, ob man bereit ist, das alles in Kauf zu nehmen. Meist geht alles gut, die Welpen werden auf natürlichem Weg geboren, sind gesund und munter, der Mutter geht es gut, es gibt keine Probleme. Aber man muss immer auf den schlimmsten Fall gefasst sein: Hat man die Zeit, die Nerven und vor allem auch das Geld, zehn mutterlose Welpen aufzuziehen? Gibt es Probleme, können in den ersten Wochen nach der Geburt schnell Tierarztrechnungen in Höhe von mehreren Tausend Euro anfallen. Hat man für solche Fälle einen Notgroschen auf der Bank? Viele Züchter geben nach 3-4 Würfen auf, weil sie sich alles ganz anders vorgestellt haben und die psychische Belastung zu hoch ist. Hundezucht verlangt einem einiges ab, kann aber eine wunderschöne, erfüllende Aufgabe sein.

Zucht findet nicht nur in den 8-10 Wochen statt, in denen die Welpen durchs Haus tollen, das Thema erstreckt sich über das ganze Leben. Es dauert oft Monate, bis ein passender Rüde gefunden ist, man liest ständig irgendwelche Bücher oder Zeitschriften, kann irgendwann die Ahnentafeln Hunderter Hunde auswendig herunterbeten, weiß aber oft nicht einmal, wie der eigene Uropa hieß ;-) 

Kaum ein Vereinszüchter züchtet hauptberuflich; um von der Zucht leben zu können, braucht man einige Würfe im Jahr. Der größte Teil der Züchter züchtet aus Passion und Liebe zur Rasse und nicht aus finanziellem Interesse. In der Regel ist man froh, wenn sich Einnahmen und Ausgaben in etwa die Waage halten, aber gerade wenn man mehrere Hunde und nur einen Wurf im Jahr hat, bezahlt man die Zucht mit dem Verdienst aus dem eigentlichen Beruf. Auch dessen sollte man sich bewusst sein, wenn man vorhat, sich mit der Hundezucht etwas dazuverdienen zu wollen.

Was oft vergessen wird: Je Einnahme aus dem Verkauf von Welpen muss ab dem ersten Euro dem Finanzamt gemeldet werden. Bleibt man unter einer bestimmten Grenze und kann nachweisen, dass die Ausgaben höher als die Einnahmen sind, erkennt das Finanzamt eine Hobbyzucht an. Gerade bei den derzeitigen Welpenpreisen von teilweise weit über 2000 Euro liegen viele Züchter schnell über dieser Grenze und sind steuerpflichtig, auch wenn gerne gesagt wird: „aber es ist doch nur dieser eine Wurf“. Es empfiehlt sich, mit dem Sachbearbeiter zu reden und von Anfang an jährlich eine Auflistung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben an das Finanzamt zu schicken. Erzielt man mit seiner Zucht regelmäßig Gewinne, muss ein Gewerbe angemeldet werden, mit allem, was dazu gehört.

Zudem muss die Zucht dem Veterinäramt gemeldet werden, sobald man mindestens drei Hündinnen (egal wie alt diese sind und ob sie zur Zucht genutzt werden oder nicht) und/oder drei Würfe im Jahr hat. Beim Veterinäramt muss ein Sachkundenachweis nach §11 des Tierschutzgesetzes gemacht werden, der eine schriftliche Prüfung sowie eine Überprüfung der Zuchtstätte und ein Fachgespräch mit dem Amtstierarzt beinhaltet.

Dies sowie die Pflicht zur Meldung aller Einnahmen beim Finanzamt gilt für Vereinszüchter sowie auch für Hobbyproduzenten ohne Vereinszugehörigkeit.